Escribiendo juntos: I

[Ein erster Versuch - näheres dazu hier.]
Wer setzt fort ...
Leise verfluchte sie ihre Idee, um diese Uhrzeit und bei diesem Wetter noch einmal nach draußen zu gehen. Aus der warmen Wohnung heraus sah es noch wie ein spannendes Abenteuer aus: ein den Winter ankündigender Sturm, der in der orange-gelben Beleuchtung der Straßenlaternen die letzten beharrlichen Blätter von den schon dürren Bäumen der Allee beutelte wie ihre Hand dazumal die Hobelspäne aus dem Haar ihres Vaters.
"Es gibt kein schlechtes Wetter - nur schlechte Ausrüstung!", pflegte er zu sagen. Dick vermummt, aber trotzdem schon leicht frierend ging sie etwas ziellos die Straße hinunter, und versuchte, nicht allzusehr an das warme Sofa aus beigem Schnürlsamt zu denken. Wenigstens durchlüftete der Wind auch ihre Gedanken etwas...
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books and more - 22. Nov, 20:29

Die Laterne über dem Eingang des kleinen ländlichen Gasthofs bewegte sich quietschend im Wind. In einem Mauereck vor der Fachwerkfassade wehte es Blätter und kleine Papierstückchen im Kreis. Die schon kahlen Bäume der Allee rauschten, und im Vorbeigehen konnte sie dunkles Lachen aus dem Schankraum hören, dazwischen helle Frauenstimmen.

twoblogs - 23. Nov, 21:41

Sie zoegerte vor der Tuer. Sie dachte: Was passiert, wenn ich da hineingehe? Werden sie mich denn ueberhaupt erkennen? Wie soll ich reagieren, wenn sie mich nicht verstehen? Wie, wenn es lauter Fremde sind?

yonosequepasara - 24. Nov, 07:20

Im nächsten Moment alterte sie schlagartig um geschätzte fünf dreiviertel Jahre. Dabei waren es nur wenige, unschuldige Worte, die da so plötzlich hinter ihrem Rücken erklangen:"Hallo Frau Schulmeister! Was machen Sie noch so spät und bei diesem Wetter noch heraußen?"
Nach dem Schreck kam die Erleichterung, nach der Erleichterung auch gleich der leise Ärger, der sie immer erfasste. Nicola hasste ihren Nachnamen.

twoblogs - 25. Nov, 02:16

Nicht nur das: auch ihren Vornamen wollte sie nicht hoeren! Nicola! Was klang da immer mit? Nikolaus! Nika die Laus! Nikolaeuschen, bist du schon wieder aus dem Haeuschen! An die Schule wollte sie auf keinen Fall denken. Stand doch das zehnte Maturatreffen bevor, und ihr war noch keine passende Ausrede eingefallen, um ihre beste Freundin nicht zu beleidigen. Sie war jedoch fest entschlossen, diesmal nicht hinzugehen.
Aber Milena – so wollte sie genannt werden – fasste sich, drehte sich um und blickte den Mann an, dessen Stimme sie noch nicht einordnen konnte.

yonosequepasara - 25. Nov, 17:42

Etwa zur selben Zeit verließ Enrique Costas das Büro der Agentur in der Madrider Altstadt, genauer in der Calle de las Infantas, schwang sich auf sein Rad und fuhr (wie immer gegen die Einbahn) in Richtung des Parque del Retiro, sozusagen der "Central Park" der Stadt, dabei immer wieder die inzwischen wieder nicht mehr so angesagte Freitag-Umhängetasche mit dem Ellbogen nach hinten auf den Rücken schiebend. Seine kleine Single-Wohnung auf der anderen Seite war so gerade noch das, was man als Kompromiss zwischen Kosten und Nutzen nennen konnte.

Er hasste die Dunkelheit. Es war nicht das lange Arbeiten, sondern die simple Abwesenheit von Tageslicht, die ihn auf eine irritierend archaische Art und Weise beunruhigte. Er lenkte sich mit Gedanken an seine weitere Abendplanung - ein Glas guter Rotwein, Miles Davis und ziellose Pirsch in den Weiten des Netzes der Netze - ab und leiß die Wirklichkeit nur soweit in sein Bewusstsein dringen, wie es für das halbwegs gefahrlose Vorwärtskommen auf den Straßen der pulsierenden Stadt unbedingt notwendig war.

acqua - 25. Nov, 22:52

Doch dann riss ihn das Klingeln des Handys aus seinen Gedanken. Mist. Wer wollte denn nun noch etwas von ihm? Am liebsten hätte er es in der Tasche klingeln lassen. Da er aber nicht rikieren wollten, einen Anruf von Ruiz, seinem wichtigsten Kunden, zu verpassen, verlangsamte er das Tempo ein wenig und nestelte das Telefon hervor. Der Blick auf das Display liess ihn entnervt stöhnen.

yonosequepasara - 27. Nov, 10:50

[Hier in eigenem Kommentar-Strang weiterführend - mal sehen, wann sie sich wieder treffen...]

"Hija de puerca!" entfuhr es ihm. Das Paar, das gerade an ihm vorbeiging, schaute leicht indigniert und den Kopf schüttelnd.
Dass seine Ex immer noch anrief. Alleine ihren Namen am Display zu lesen ließ den Groll und den Schmerz der erlittenen Verletzungen der letzten Monate wieder aus der Tiefe aufsteigen, wo sie dürftig unter jeder Menge Arbeit und Ablenkung verborgen gewesen waren.
Nein. Er hatte ihr mehr als einmal deutlich gemacht, dass er keinen weiteren Kontakt wünsche. Zeit für eine neue Nummer. Wieder einmal.
Er lehnte den Anruf ab und schaltete das Telefon auch gleich ab. Sie würde es gleich wieder probieren.
twoblogs - 26. Nov, 21:33

Als Milena den Mann wahrnahm, hatte sie keine Idee, wer das sein konnte. Sie dachte, sie habe sich richtig entschieden: nicht ins Gasthaus, sich von niemandem auf der Strasse anreden lassen, den Autos entgegengehen, sich abwenden, wenn das Licht zu grell wird etc.
Sie hoerte ihn wieder, wie er etwas wie: ..Schmmmeisster" sagte. Aber da war sie schon an ihm vorbeigeschritten und hatte seinen Geruch gerochen, der sie gleich weitertrieb: Fleischgeruch; inmitten einer Nikotinwolke.
Er trug einen dicken schwarzen Anorak, fuer sie sofort eine Anspielung auf das Michelin–Maennchen. Wuerde noch mehr Schnee fallen und wuerde er sich darin waelzen, natuerlich ihr zuliebe, wuerde sie sich umdrehen, damit in ihr vielleicht doch noch ein kleines Laecheln aufkam, das sie ihm und damit den anderen, die im Wirtshaus sassen, schenken konnte.
Wuerde also der Unbekannte als Schneemaennchen wieder aufspringen und sie tatsaechlich als Milena erkennen, dann waere alles vielleicht ganz anders. Das Glueck entschied sich ja in der Regel an kleinen Gesten, Detailblicken, die sich mit Erinnerungsfetzen verbanden. Wehte so etwas heran, egal, von wem es ausging, war das wie der Zauberhauch aus einem der Maerchen, die von Prinzen, Nuessen und Kuessen handelten.

yonosequepasara - 27. Nov, 11:01

[Hier in eigenem Kommentar-Strang weiterführend - mal sehen, wann sie sich wieder treffen...]

Mit sich beruhigendem Puls, aber durch den Adrenalin-Kick des Schrecks hellwach, beschleunigte sie ihre Schritte. Sie wusste jetzt, was sie hinausgetrieben hatte und steuerte durch die Nacht auf ihr Ziel zu: Ihr "geheimer" Platz, an dem sie sich Inspiration für das erst angefangene Märchen erhoffte, das letzte in ihrem aktuellen Lesebuch mit Märchen für Erwachsene. Der endgültigeTitel würde sicher noch ein Streitpunkt werden, der üblicherweise vom Verlag bestimmt wurde.
steppenhund - 3. Dez, 01:29

Plötzlich kam ihr zu Bewusstsein, dass es eigentlich zwei Männer gegeben haben musste. Die vollständige Begrüßung passte nicht zum Anorak, zum Nikotingeruch zu dem halblauten Fluch, den sie ebenfalls mitbekommen hatte.
Zögernd sah sie sich um, ob ihr nicht doch jemand noch folgte. An der Ecke stand ein Mädchen, das vorher noch nicht da gewesen war. Weißer Anorak mit fellbeschlagener Kapuze. Es schien sehr klein und zierlich. "Worauf kann sie an der Ecke nur warten?" fragte sich Milena.
Auf einmal fühlte sie sich federleicht. Hatte sie selbst nicht einmal am gleichen Ort gestanden und gewartet. Schlagartig fühlte sie sich in eine andere Zeit versetzt. Eine warme, schmeichelnde Prise umspielte ihre Wangen.

yonosequepasara - 3. Dez, 21:41

Da war es wieder, diese "Anderwelt", aus der sie ihre Inspiration und die dichte Athmosphäre ihrer märchenhaften Geschichten schöpfte - immer auf geheimnisvolle Weise begleitet, nein viel mehr geleitet von diesem fremden und doch so vertrauten Mädchen, immer einen Wimpernschlag von der Erkenntnis entfernt, wer sie denn nun wirklich war.

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